Wie das iPad die “Lern”-Welt verändern kann…
Intro
Apple hat das iPad vorgestellt und wieder einmal stürzt sich die ganze Welt darauf. Ich möchte in diesem Beitrag kurz schildern worin für mich die Faszination des iPads liegt und wie wir das Gerät durch die edutraiment-Brille betrachtet haben.
Was ist ein iPad – kein Tablet-Mac, kein Netbooks, kein Smartphones
Ist es wirklich wichtig zu Wissen, zu welcher Kategorie von Geräten das iPad gehört? Nun es ist definitv kein Netbook, denn wie schon in meinem Beitrag zum iPhone halte ich die Philosophie das Computer-Konzept der Achtziger-Jahre einfach immer weiter zu minimieren für falsch. Knubbelige Mini-Tastaturen, Benutzeroberflächen und Betriebssysteme die minimiert 1:1 vom Computer übernommen wurden, sind keine Lösung und wenig innovativ – Sie stellen lediglich einen schlechten Kompromiss dar. Völlig richtig sagte daher Jobs: Was können Netbooks besser als ein Laptop “Nichts”. Ok Sie nehmen etwas weniger Platz weg. Tablet-PC´s haben sich übrigens aus den oben genannten Gründen ebenfalls nicht durchgesetzt, mit einer Ergänzung, es gab und gibt so gut wie keine Programme die die neuen Eingabemöglichkeiten wirklich konsequent genutzt hätten. Ob die Touch-Oberfläche der Weisheit letzter Schluss ist, das weiss ich auch nicht, halte es aber für eine spannende Alternative – nein ich korrigiere mich – ich glaube es wird für viele die Zukunft im digitalen Alltag. Das iPhone zeigt das Millionen dieses Bedienkonzept als sehr komfortabel erachten. Also – was ist ein iPad? Kein Netbook, kein Tablet-PC, kein Smartphone und kein Computer? – Die Antwort ist, das iPad als solches definiert eine neue Kategorie von mobilen Endgeräten, was es so schwierig macht, die Möglichkeiten zu beurteilen. Die Applikationen für das iPhone zeigen bereits in welche Richtung das ganze gehen kann.
iPad verändert Verständnis vom Computer
Ich möchte diesen Abschnitt mit einem Zitat aus einem Artikel bei der FAZ beginnen:
Das führt letztlich zur Entmündigung der Nutzer. Der für das soziale Netzwerk Twitter arbeitende Autor und Programmierer Alex Payne, eigentlich ein Mac- Enthusiast, formuliert es drastisch: „Was mich am meisten am iPad stört, ist dies: Hätte ich als Kind anstelle eines richtigen Computers nur ein iPad gehabt, wäre ich nie ein Programmierer geworden.“ Möglicherweise läutet das iPad das Ende einer „Hacker-Ära“ ein und entmündigt uns mit klinisch reinen Anwendungen, die zwar praktisch sein mögen, aber jede Kreativität im Keim ersticken. Für mich jedenfalls steht fest: Ein Computer, auf dem keine einzige Programmiersprache läuft, ist kein Computer, sondern eine Fernbedienung.
Für mich ein spannendes Beispiel für die Verwirrung die diese neue Gerätekategorie mit sich bringt. Ein Computer wird also erst dann als Kreativwerkzeug bezeichnet wenn er Tastatur, Maus, eine CD-Laufwerk und eine Festplatte hat? Zugegbenermaßen bin ich auch etwas skeptisch ob man via Drag & Drop Programmieren können soll, oder ob die virtuelle Tastatur des iPad dafür ausreicht, aber das man deshalb dem iPad die Möglichkeit abspricht damit kreativ arbeiten zu können, halte ich für völlig falsch. Das iPad kann durchaus einen herkömmlichen Computer ersetzten, muss es aber nicht. So wie es Backendprogrammierung und Frontendprogrammierung gibt, ist auf dem iPad problemlos eine Skriptsprachen-Programmierung möglich, sogar via Drag & Drop. Automator auf dem Mac demonstriert das schon heute. Dort kann man vordefinierte Skriptbausteine beliebig miteinander zu einem Workflow bzw. zu einem Programm zusammenführen.
Eine kleine Exkursion: Wie kann das im Alltag funktionieren?
Sie kennen das vielleicht und arbeiten selbst als Trainer, nach einem Training machen Sie Fotos Ihrer Flipcharts. So auch unserer Trainer – diese Fotos sind in der Regel immer in der falschen Größe und müssen für unsere digitalen Dokus, die wir den Kunden zur Verfügung stellen, angepasst werden. Ein Skript lädt die Fotos die in einem Ordner sind (Baustein 1) dreht das Fotos so das Sie immer hochkant zu sehen sind (Baustein 2), passt es auf die entsprechende Größe an (Baustein 3), rechnet die Bilder auf eine Größe von unter 100Kbyte (Baustein 4) und speichert Sie in einem Ordner mit dem Namen “Aktuelle Doku” auf meinem Desktop (Baustein 5). Dieser Workflow bearbeitet ca. 100 Bilder in 15 Sek. Diese Bausteine also in eine logische Reihenfolge gebracht – fertig programmiert.
iPad als Kreativmonster
Ich sehe den größten Vorteil des iPads darin, das die Barriere zwischen analogen und digitalem Leben und Denken aufhebt. Das iPad ermöglicht in vielen Fällen erst kreativ zu werden, in einer Form die es bisher noch gar nicht gab. Die aktuelle Computergeneration integriert sich immer noch so schlecht in den Alltag der Menschen, das man Sie quasi als Fremdkörper bezeichnen muss. Man denke nur an die unendlichen Menüs von aktueller Textverarbeitungsapplikationen und einer Präsentationssoftware. Es erstickt quasi jede “natürliche” Kreativität – da es an programmieren erinnert und so wenig intuitiv von der Hand geht. Es gibt quasi 90% schlechte Powerpoint-Präsentationen und 10% Gute. Seminare werden Angeboten wie man Präsentationen optimieren, emotionalisieren, spannend machen kann. Was verändert sich aber nicht? Die Bedienung der Programme mit denen man diese Präsentationen erstellt. Das Bedienkonzept von Powerpoint hat sich quasi nicht verändert. Im Gegenteil Sie wird immer komplexer und undurchdringlicher….
Das iPad ist im digitalen Alltag in jeder Situation vorstellbar, es ist relativ leicht (680 gramm, das sind etwa 3 Spiegel-Ausgaben oder vier große Äpfel oder eine mit 0,75 Liter Wasser gefüllte PET-Flasche), es ist sehr flach und von der Größe passt es fast noch in eine große Manteltasche. Die Bedienung orientiert sich durch die Gesten auf dem Touch-Screen, sehr stark an dem wie wir auch Zeitungen nutzen, Telefone bedienen, Landkarten ausklappen, Fotos sortieren etc. Das haptische Feeling macht einen großen Unterschied aus – der kürzeste Weg zwischen Mensch und Maschine.
Ich kann mir das iPad quasi in jeder Situation im Alltag vorstellen. Der perfekte Reader, egal ob eine Tageszeitung, Bücher, interaktive Kochrezepte oder wissenschaftliches Grundlagenmaterial auf Basis von PDFs handelt. Das perfekte Notizbuch, das Handschrift, Ton und Bilder miteinander verknüpft. Ein wunderbares Brainstorming-Tool um Ideen zu scribblen. Meetings mit dem iPad werden bunter, die Präsentation zum aktuellen Projektstand wird zum Spaß und die Erstellung mit dem iPad wird zum Erlebnis.
Beispiel einer Präsentation die mit Keynote erstellt ist
(Keynote ist Teil der Office-Suite für das iPad):
Das iPad kann ich mir toll im Musikunterricht oder digitiales Musikdevice vorstellen, die Fläche ist groß genug um Klaviertasten anbieten zu können, es könnte auch als Mischpult fungieren, bei dem ich einfach via Fingergesten, verschiedene Einstellungen vornehmen kann.
iPad und edutrainment
Kontrovers wurde auch bei der edutrainment comany über dieses neue Device diskutiert. Sehr schnell waren wir in der Diskussion an dem Punkt, wo es letztlich nur noch um die Einsatzmöglichkeiten ging und nicht mehr ob diese Art der Geräte (es muss ja kein iPad sein) eine Zukunft haben. Wir haben beschlossen es ist die Zukunft. Ein edutrianment Training bei dem iPads oder iSlates oder wie Sie auch heissen mögen zum Einsatz kommen? Aber ja. edutrainment beschäftigt sich damit wie man Lernen optimal für die Menschen gestalten kann – eine Erkenntnis aus der Gehirnforschung ist nicht nur das es förderlich ist mit allen Sinnen zu lernen, auch funktioniert Lernen besonders gut wenn positive Emotionen im Spiel sind.
Was hat das jetzt mit einem iPad zu tun? Man stelle sich folgendes vor:
Jeder Trainingsteilnehmer erhält im Trainnigsraum ein iPad. In den Trainings der edutrainment company kommen die unterschiedlichsten Methoden zum Einsatz, deshalb viel es uns auch nicht schwer, die Möglichkeiten zu beschreiben:
1. Jeder Teilnehmer kann das iPad als digitales Notizbuch nutzen, wobei die Aufzeichnungen später mit den Fotos aus dem Training (die wir unseren Teilnehmern zur Verfügung stellen) kombinieren können.
2. Der Trainer könnte beispielsweise zur Emotionalisierung von Inhalten Bilder auf die iPads spielen die dann zur jeweiligen Trainingssession unterstützend angezeigt werden. Starke Bilder – die die Teilnehmer zum lachen oder zum nachdenken bringen.
3. Die Teilnehmer könnten Cartooning anders und intensiver lernen, Sie erhalten neben einer Anleitung vom Trainer über das iPad eine Step by Step Anleitung die der einzelne zur Unterstützung aufrufen kann.
4. Moderationskarten werden überflüssig? Vielleicht nicht ganz, aber beispielsweise könnten die Teilnehmer Moderationskarten mit dem iPad erstellen, die dann an den Trainer gesendet werden. Dieser nimmt die gesammelten Moderationskarten und wirft Sie mit dem Beamer an die Wand. – Natürlich kann er die clustern, mit dem Finger Anmerkungen machen und später in das Protokoll einfließen lassen, das die Teilnehmer erhalten.
5.Man könnte auch diverse Lernspiele auf dem iPad zum Einsatz bringen.
6. Web Based Trainings einmal anders. Die Lernprogramme dienen eigentlich als Vor-bzw. Nachbereitung zum Trainnig. Der Trainer lässt die Teilnehmer bereits Übungen im Trainignsraum durchführen – die bereits im Training ausgewertet werden können. Wünschenswert wären Lernprogramme mit hohem interaktiven Anteilen und Übungen, aber letztlich wäre jedes bereits existierende Lernprogramm denkbar. Letztlich wäre sogar denkbar das die Ergebnisse der Teilnehmer dem Trainer noch während des Trainings zugehen und dieser so individueller auf die Einzelnen eingehen kann. Die Teilnehmer bestimmen damit sehr flexibel den Trainingsaublauf.
7. Eine Idee zu einem konkreten Trainingsinhalt: Beschwerdemanagement. Die Teilnehmer erhalten auf Ihrem iPad Videos zu unterschiedlichen Situationen mit Positv-und Negativbeispielen. Diese werden danach von jedem Einzelnen bewertet und mit dem Trainer besprochen. Auch ohne iPad möglich, aber so eleganter und individueller.
8. Buchempfehlungen werden direkt auf dem iPad eingeblendet, und können in die individuelle Bibliothek des Einzelnen aufgenommen werden.
9. Wertvoller Beiträge auf youTube werden jederzeit abrufbar und unterstützen den Trainer in seiner Argumentation.
Nur einige wenige Beispiele, die aber schon jetzt zeigen, welche Möglichkeiten sich eröffnen. E-Learning würde so eine völlig andere Rolle einnehmen. Die Integration in die Präsenz wäre die Möglichkeit viele Schwierigkeiten im Umgang mit Programmen und Funktionen vorab abzufangen, die Akzeptanz würde steigen und die Beteiligung in den Selbtlernphasen steigt an. Der spielerische Umgang mit den iPad als solches hilft bereits die “Kreativität” der Teilnehmer im Umgang mit den neuen Medien zu fördern.
Gerade in letzter Sekunde habe ich dieses Video entdeckt:
Man darf getrost fragen ob es unbedingt das iPad sein muss – nein, natürlich nicht – andere Geräte von anderen Herstellern können das natürlich (fast) genauso gut.
Tags: edutrainment, iPad, Lernen, Mobile Learning




Fr, Feb 5, 2010
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